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02.11.2010 Von Hiroshima nach Miyajima PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: randy   
Dienstag, den 02. November 2010 um 13:00 Uhr

Japanreisebilder auf Flickr

 

Die Sonne schien meine Vorfreude auf Miyajima zu teilen! So einen blauen Himmel wie beim Aufstehen hatte ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Ich war vor lauter Begeisterung tatsächlich dann eine Stunde früher fertig als geplant.

Wenn man seine Koffer auf dem Bahnhof in Hiroshima barriererei transportieren möchte, dann geht man im Erdgeschoss in den Zugeinlass hinein und auf der anderen Seite gleich wieder hinaus - das geht natürlich nur mit dem JR Railpass - dort fährt man dann mit Aufzug oder Rolltreppe ein Stockwerk höher und kann das Gleis über die Überführung per Auzug ansteuern. Wer unten reingeht muss in die Unterführung und wieder hinaus - und da gibt es keine Hilfsmittel. Wer keinen JR-Pass hat kann sich bei der Strassenbahn ein Kombiticket Bahn&Fähre lösen und fährt dann einen Grossteil der Strecke direkt neben der JR. So 20-30 Minuten später nuschelt der Lokführer dann so etwas ähnliches wie Miyajimaguchi - und erst hier sollte man aussteigen. Man sollte sich auf keinen Fall durch ähnlich klingende Ortsnamen verwirren lassen!

Und wenn man beim Wechsel zur JR-Fähre deutlich sichtbar bei sich trägt, wird man an der Warteschlange vor den Kassenhäuschen recht zügig vorbeigewunken - die ist nämlich in dem JR-Pass inclusive.

Die Touristinfo auf der Insel hat diesmal die Karten sogar auf Deutsch. Auf meine Frage nach dem Miyajima Seaside Hotel bekomme ich auf der Karte einen roten Punkt, den Vermerk das es etwa 45 min Weg sind und die Empfehlung doch den Hotel-Shuttlebus zu nehmen. Weil ich das mit der Zeit nicht so realisiert habe und innerlich schon au Entdeckungsdrang bin, wollte ich aber lieber die Strecke laufen. Selber Schuld! Knapp eine Stunde später stehe ich dann vor meinem Hotel und kann dann erst mal das schwere Gepäck dalassen. Diesmal lasse ich mich dann aber vom Shuttlebus zum Hafen zurückahren.

Leider ist gerade Ebbe und das Wasser hinterlässt immer mehr gelben Schlamm, also muss ich morgen wohl früher aufstehen um den Itsukujima Schrein bei Flut zu sehen. Ich beschliesse dann heute eher die Strecken mit Entfernung zurückzulegen und gehe erstmal mehr in die Innenstadt.

Da lassen dann auch die Mengen an Schulklassen nach, die mich so langsam mit ihren Dauer-"Hello" nerven. Als Wegzehrung besorge ich mir ein paar Momiji Manju mit unterschiedlichen Füllungen.

Erste Etappe war der Senjokaku mit seiner fünfstöckigen Pagode. Diese Haupthalle des Toyokuni Schreins wurde von Toyotomi Hideyaoshi gestiftet um die Kriegstoten zu ehren. Sie ist eine Bibliothek für buddhistische Sutren. Leider verhinderte der Tod Hideyoshis die endgültige Fertigstellung des Gebäudes.

Ich ging anschliessend die Takikoji-Strasse hinter dem Itsukushima Schrein entlang zum Daishoin, einem Schrein der Shingon Sekte. Für den Omuro-Zweig dieser Sekte ist das der Haupttempel und vor der Mejirestauration war er für die Verwaltung der Rituale des Itsukushima Schreines zuständig. Wenn man den Schrein heute beschreitet dann fallen die vielen Stein- und Tonfiguren auf dem Gelände auf. Nicht nur das es jede Menge Buddas, Jizos und buddhistische Wächteriguren gibt - es fallen auch andere eher shintostische Figuren auf: Glückskatzen, Tengu, Kappa, Tanuki, die 7 Glücksgötter... Hier sieht man also noch deutlich die Vermengung zwischen Buddhismus und Shinto, die erst durch die Meji-Restauration gestoppt wurde und erst so langsam wieder Einzug hält. Beim Betreten des Geländes durch das Niomon Tor fallen an den Mittelgeländern der Treppe bewegliche messingfarbene Metallzylinder auf. Auf jedem dieser Zylinder soll eine von etwa 600 Dai Hannyakyo Sutren stehen und schon das berühren der Zylinder sei glückverheissend.

Es wurde so langsam Zeit für einen kleinen Mittagssnack. Dafür habe ich dann eine Bank im Momijidani Park gewählt und dort ganz passend meine Momiji Manju (gefüllte Waffeln in Ahornblattform) vernascht.

Um mir das Leben etwas zu vereinfachen bin ich dann mit der Seilbahn auf den Nachbargipfel des Misen hinaugefahren und von da aus dann rüber zum Misen gelaufen. Das ist dann doch noch eine ganze Ecke. Unterwegs kommt man am Misenhondo vorbei in dem seit 1200 Jahren das Feuer am brennen gehalten wird das einst von Kobo Daishi entfacht wurde. Von hier aus wurde auch die Flamme für die Gedenkstätte der Atombombenopfer in Hiroshima geholt. Die anderen Gebäude, Tempel, sind leider geschlossen als ich vorbeikomme. Oben auf dem Gipfel steht eine Aussichtsplatform in drei Etagen von der man aus in weite Teile der Inlandsee sehen kann.

Nach dem Rückweg bin ich dann nochmal in Momijidani und habe versucht schon etwas von der Farbenpracht einzufangen die dort in den nächsten Tagen die reichlich vorhandenen japanischen Fächerahorne (Momiji) in alle Rottöne verfärben wird.

Um den Tag abzurunden wollte ich dann über den "Naturwanderpfad" zu meinem Hotel in der Nähe vom Suginoura laufen. Nur habe ich mich wohl etwas vertan und bin stattdessen den Tsutsumigaura Naturwanderpfad geschnauft. Laut Wegweiser sollte der 60 min gehen. (Wieso müssen die eigentlich die Minuten draufschreiben und können nicht einfach die km nehmen?) Nach 60 min den Berg über Treppen mit 20-40 cm Stufen hinaufschnaufen kam dann ein Schild das einem bedeutete das man erst 30 min geschafft hat - aber das der Rückweg nur 20 min braucht. Ich bin dann noch eine gute Viertelstunde den Weg weiter bergauf bis es dann endlich talabwärts ging. Unterwegs hatte man nochmal die Chance zum Misen abzubiegen, aber danach stand mir dann wirklich nicht mehr der Sinn, zumal sich die Sonne schon langsam hinter den Misen zu verstecken begann. Wahrscheinlich wäre man auch wesentlich besser vorangekommen wenn der Weg nicht so zugewuchert und die Stuenhöhen so unberechenbar gewesen wären. Ich war richtig froh als ich dann wieder fast auf Meeresniveau war - allerdings merkte ich jetzt das ich beim Campingplatz runtergekommen war und vor mir der Strand Tsutsumigaura lag. Damit musste ich dann an der Küste ein ganzes Stück zurück pilgern und kam dann völlig fertig in meinem Hotel an.

Dort wurde ich dann mit Ofuro und opulentem Abendessen im Zimmer verwöhnt. Nachdem die Bilder des Tages bearbeitet und der Bericht komplettiert waren ging es dann früh ins Bett, schliesslich sollte es morgen wieder ein langer und ereignisreicher Tag werden.

Die Bilder zum Tag gibt es unter: http://www.flickr.com/photos/katzenpost/sets/72157625309848168/