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31.10.2010 Von Shimonoseki nach Hiroshima PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: randy   
Sonntag, den 31. Oktober 2010 um 13:00 Uhr

Japanreisebilder auf Flickr

 

Es blieb weiter grau und trüb. Als ich dann morgens das Hotel verlassen habe, fing es nach wenigen Metern, auch noch an zu nieseln - nur weg bevor es noch nasser wird!

Ab heute kann ich mit dem JR-Railpass fahren! Also wählte ich als Transportmittel nach Hiroshima selbstverständlich den Shinkansen. Am Schalter haben sie mir dazu dann die Verbindungen herausgesucht und die Sitzplatzreservierungen ausgestellt.

Gegen 11:30 kam ich dann in Hiroshima an. Das Toyoko Inn ist auch hier recht einfach zu finden - zum Nordausgang raus und an der Ampel immer geradeaus halten. Natürlich nieselt es auch in Hiroshima, war ja klar.

Nachdem ich mein Gepäck im Hotel abgegeben habe, bin ich erst nochmal zurück zum Bahnhof. Die Tourist Information ist in der Untergrundpassage wenn man den Südausgang verlässt - wenn man das weiss spart man sich reichlich Zeit für die Suche.

Um dem Wetter zeitweise entkommen zu können erwarb ich dann noch an der Street Car Haltestelle vor dem Bahnhof, am Automaten, ein Tagesticket für 600 Yen. Eine Fahrt innerhalb Hiroshima kostet 150 Yen - ab 4 Fahrten lohnt sich das also!

Erstes Ziel ist natürlich der Hiroshima Friedenspark auf der Insel zwischen den beiden Flüssen Enkogawa und Kyobashigawa.

Atombombendom (Genbaku Domu)
Das 1915 errichtete Messegebäude für die Produkte aus Hiroshima-ken stand während der Atombombenexplosion so ziemlich genau unterhalb des Explosionszentrums der Bombe. Die Ruinen werden so erhalten wie sie nach diesem Ereignis vorgefunden wurden. Alle anderen Ruinen sind längst beseitigt, nur hier wurde bewusst alles so zerstört gelassen um ein wirkliches Mahnmal dieses Ereignisses zu haben.

Aioi Brücke
Man geht davon aus das diese T-förmige Brücke als Zielpunkt des Piloten verwendet wurde, da sie recht markant war und das Epizentrum der Explosion dies dann auch nahe legt. Leider ist das Original mittlerweile durch Beton ersetzt - aber auch wieder in T-form.

Friedensglockenturm
Jeden Morgen um 08:15 läutet diese Glocke um immer wieder an die erste Atombombenexplosion auf ein bewohntes Ziel am 06.08.1945 08:15 zu erinnern.

Friedensglocke
Ganz in der Nähe des elektrischen Friedensglockenturms steht dann eine weitere Glocke. Hier darf jeder, der will, die Glocke sanft anschlagen um seinen Wunsch nach Frieden auszudrücken.

Kindermonument für den Frieden
Die Erzählung der auf Grund der Strahlenverseuchung leukämieerkrankten Sadako ist mittlerweile weltbekannt. Das Mädchen fing an 1000 Papierkraniche zu falten, weil es heisst das bei erreichen dieser Anzahl die Götter einen Wunsch gewähren würden. Nach der gängigsten Legende verstarb Sadako bevor sie den letzten Kranich falten konnte und ihre Klassenkameraden vervollständigten die Zahl zur Beerdigung. Noch heute erreichen regelmässig Spenden von 1000-Kranich-Ketten aus aller Welt regelmässig dieses Denkmal und werden jeweils für das Gedenkfest Anfang August in Glasvitrinen gelagert. Ich durfte heute miterleben wie diese Gedenkstätte der Reihe nach von Schulklassen angesteuert wurde und dort jeweils ein Lied gesungen und eine Gedenkrede gehalten wurde.

Mahnmal für die Opfer der Atombombe (Cenotaph)
Eine Kuppel aus Beton über einem viereckigen Teich und im Hintergrund die ewige Flamme die erst erlöschen soll wenn Atomwaffen weltweit geächtet und zerstört sind.

Göttin des Friedens
Diese sieht für mich einer Kanonstatue recht ähnlich - nur eben mit weniger Armen.

A-bombed Gravestone
Dieser Grabstein, der auf dem Grund des Jusenji stand, wurde durch die Atombombe gekappt und steht hier ebenfalls zum Gedenken an den Atombombenabwurf und an Kunai Okamoto, für den dieser Grabstein einst errichtet wurde.

Monument der koreanischen Opfer
Diese Gedenkstätte wurde erst viele Jahre nach dem Krieg, 1970 errichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde im Friedenspark nur der japanischen Atombombenopfer gedacht. Wenn man bedenkt das jedes 10. Atombombenopfer ein Koreaner war, dann ist das schon ein starkes Stück. Dieses Eck des Parks ist auch heute noch wesentlich weniger besucht. Und von den vielen Schulklassen die täglich durch den Park geschleust werden, verirren sich einzelne Schüler eher per Zufall.

Atombombenopfergedächtnisstätte
An dieser Stelle wurde die Asche vieler Zehntausender (japanischer) Atombombenopfer bestattet. Jährlich im August finden hier Gedenkveranstaltungen statt.

Gebetsbrunnen
Dieser Brunnen soll die austeigenden Gebete für den Frieden symbolisieren. Wenn man ihn zwischen den vielen parkenden Bussen indet sieht er wirklich schön aus.

Friedensmuseum
Hier wird die Stadt Hiroshima vor und nach dem Atomschlag gezeigt. Viele Artefakte wurden eingelagert und können bestaunt werden. Dieses Museum geht viel mehr an die Nerven als das von Nagasaki - es ist einfach eine ganze Menge Material vorhanden und anschaulich dargeboten. Einen Hinweis auf die Angriffskriege Japans findet man hier allerdings auch nicht - man ist nur Opfer! Seit der Atombombe über Hiroshima sind mittlerweile 23827 Tage vergangen - seit dem letzten Atomversuch aber nur 46 Tage. Die Vereinigten Staaten haben gegen das Moratorium gegen Atomwaffentests verstossen. (Es wurde von ihnen bisher auch nur unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.)

Vom unteren Ende des Friedensparkes bin ich dann wieder mit der Strassenbahn zurück zum oberen Ende gefahren. Von dort aus wollte ich dann eigentlich die Burgruine Hiroshimas als nächstes Ziel angehen. Ich bin auch bis zum äusseren Graben gekommen und dort dann in ein grosses Volksfest geraten. Eigentlich würde ich sowas dann ja auch geniessen, aber bei dem regnerischen Wetter sind leider die meisten Regenschirme für mich so auf Halshöhe, so daß ich innerhalb kürzester Zeit nässer wurde als den ganzen Tag davor. Ich beschloss die Burg dann lieber für den nächsten Tag aufzuheben. Da ist dann Montag und die vielen Leute sind Arbeiten. Ich bin dann eben noch ein bißchen shoppen gegangen und habe ein leichtes Abendessen ergattert bevor ich dann ins Hotel zurück bin.

Von meinem Zimmer aus habe ich eine recht schöne Aussicht auf Hiroshima - und kurzzeitig zeigte sich in weiter Ferne dann auch mal die Sonne - also gute Hoffnung für den nächsten Tag!

Die Bilder zum Tag gibt es unter: http://www.flickr.com/photos/katzenpost/sets/72157625278670240/